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Alles Wissenswerte zu Dach-ETFs

Vor kurzem habe ich an einem kostenlosen Webinar von Extravest zum Thema „Breit gestreut investieren: ComStage Vermögensstrategie“.
Schlussendlich ging es um die Vorstellung eines neuen Produkts von ComStage. Hatte etwas von einer Werbeveranstaltung, aber der grundlegende Wertpapier-Typ der dahinter steht war sehr interessant: der Dach-ETF. In diesem Artikel führe ich daher aus, was ich alles zu Dach-ETFs in Erfahrung bringen konnte.

Was sind Dach-ETFs?

Dach-ETFs sind ETFs, die sich nicht direkt aus Indizes für Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder anderen Werten zusammensetzen. Stattdessen investieren Dach-ETFs wiederum ausschließlich in ETFs (Exchange Traded Funds) und ETCs (Exchange Traded Commodities, beispielsweise Rohstoffe).

Nicht zu verwechseln ist ein Dach-ETF mit einem ETF-Dachfonds. Ein ETF-Dachfonds ist ein aktiv verwalteter Fonds, der zu einem großen Teil (aber nicht ausschließlich) in ETFs/ETCs investiert. Im Gegensatz zu einem Dach-ETF fallen dort in der Regel höhere Verwaltungsgebühren und weitere Kosten (zum Beispiel Ausgabenaufschläge und Performance Gebühren) an. Beim ETF-Dachfonds kann sich aufgrund der aktiven Verwaltung auch ständig das Portfolio ändern. Bei einem Dach-ETF wird die Verteilung in die verschiedenen ETFs meistens nur einmal im Jahr angepasst.

Vor- und Nachteile eines Dach-ETFs

Zunächst mal ist ein Dach-ETF für einen privaten Anleger sehr bequem. Die Kosten für den Erwerb sind niedriger, wenn man nur einen ETF kaufen muss und nicht mehrere. Allerdings trifft dies nur zu, wenn man für ETFs überhaupt Ordergebühren bezahlt. Bei einigen Depots (zum Beispiel bei der ING-DiBa) können viele ETFs ohne Ordergebühren gekauft werden.
Durch die Zusammenführung mehrerer ETFs erreicht man einen sehr hohen Grad der Diversifikation, da man mit einem Produkt in viele verschiedene Indizes investieren kann. Man braucht sein Portfolio nicht mühsam von Hand zusammenstückeln, sondern kann mit einem Investment an den unterschiedlichsten Indizes partizipieren.

Diese starke Diversifikation bedeutet natürlich auch, dass die Partizipation an den Bewegungen in den unterschiedlichen Märkten abgeschwächt ausfällt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Meine Anlagesumme wird zu den angesetzten Teilen in die jeweiligen Segmentierungen des Dach-ETFs investiert. Also beispielsweise werden 30 Prozent in Aktien-ETFs investiert, 40 Prozent in Anleihen-ETFs und die restlichen 30 Prozent in Rohstoff-ETCs. Von den 30 Prozent der Anlage in Aktien-ETFs werden wiederum Anteile an zehn ETFs erworben, die dann jeweils in 10 Aktien investieren. Der Anteil der Anlage der in eine einzelne Aktie investiert wird, wären dann also nur 0,3%.

Die Bewegungen einzelner Positionen innerhalb der ETFs meines Dach-ETFs haben also nur sehr geringen Einfluss auf die Gesamtentwicklung. Das betrifft natürlich generell alle ETFs, aber Dach-ETFs im Besonderen, da es dort ja eine zweite Diversifikations-Ebene gibt. Im Endeffekt bedeutet das, dass man von starken Aufwärtsbewegungen einzelner Segmente weniger mitbekommt. Gleichzeitig verhält es sich bei starken Abwärtsbewegungen aber natürlich genauso.

Ein klarer Nachteil ist jedoch die mangelnde Transparenz. Es ist schon nicht leicht bei einem regulären ETF den Überblick zu behalten in welche Werte investiert wird. Dach-ETFs erweitern das noch um eine Dimension, so dass der Überblick völlig verloren geht. Wer kann schon bei mehr als zehn investierten ETFs durchblicken? Allein der MSCI World Index enthält ca. 1.600 Einzelwerte. Hier kommt Bequemlichkeit ganz klar vor bewusstem Investieren.

Wie integriere ich Dach-ETFs in mein Portfolio?

Da man sich Dach-ETFs noch nicht selber zusammenbauen kann, ist man darauf angewiesen, dass entsprechende ETFs zusammengestellt, emittiert und an der Börse gehandelt werden. Ich habe bei meinen Recherchen bisher nur sehr wenige Dach-ETFs gefunden.
Es ist aber auch nicht leicht konkret danach zu suchen, da es nicht bei allen Banken und Finanzseiten gleichwertige Suchfunktionen mit identischen Parametern gibt.

Bei Finanztreff muss man beispielsweise als Suchkriterium bei ETFs den Vergleichsindex „Anlageuniversum: Fonds“ auswählen, um Dach-ETFs angezeigt zu bekommen. (Zum Zeitpunkt des Artikels gibt es dort jedoch nur einen Treffer.)
Bei der ETF-Suche muss man zunächst die erweiterten Suchkriterien aufrufen, um dort bei Fondskategorie Dachfonds auszuwählen. Dann schnellt die Trefferanzeige rapide auf wenige Treffer herunter. Fast jede weitere Einschränkung führt zu einem Ergebnis von 0 Treffern.
Bei wiederum anderen Seiten habe ich gar keine Informationen zu Dach-ETFs finden können.

Alternativen zu Dach-ETFs

Neben den bereits erwähnten Dach-Fonds habe ich bisher nur eine weitere Alternative gefunden.
Vergleichbar mit einem Dach-ETF wäre ein Wikifolio, dass ausschließlich in ETFs investiert ist. Allerdings ist dort die Gebührenstruktur wiederum eine andere, so dass der Vergleich auch nur bedingt funktioniert. Wikifolios, die nur in ETFs investieren, findet man in der Wikifolio Suchfunktion, wenn man unter dem Punkt „Anlageuniversum“ alle Häkchen außer dem bei ETFs entfernt. Zusätzlich sollte man auch Häkchen bei „Nur Real-Money-wikifolios“ setzen. Damit werden automatisch nur investierbare Wikifolios angezeigt in denen der Trader, um dessen Wikifolio es sich handelt, selbst investiert ist.

Natürlich könnte man die Werte eines Dach-ETFs auch im eigenen Portfolio nachbilden, wenn man die Zusammensetzung kennt. Dabei hätte man allerdings einen hohen Initialaufwand und gegebenenfalls auch höhere Einstiegsgebühren, da eben nicht nur eine Order notwendig ist, sondern mehrere und man dann eben auch für mehrere ETFs Verwaltungsgebühren bezahlt. Je nachdem wo man sein Depot hat, können dadurch unnötig hohe Kosten zum Einstieg entstehen. Dazu kommen weitere Kosten, wenn man die jährlich vorgenommenen Umverteilungen nachvollziehen möchte. Ein solches Vorgehen würde sich also nur lohnen, wenn das Portfolio eine sehr gute Rendite abwirft oder man mit einem bestimmten Teil der Investments des vorhandenen Dach-ETFs nicht einverstanden ist.

Fazit

Ein Dach-ETF klingt zunächst wie der Diversifikationstraum schlechthin. Mit nur einem Investment kann man Diversifikation auf die Spitze treiben. Ob das auch unbedingt erstrebenswert ist, darüber habe ich mir noch keine Meinung gebildet. Ich habe zunächst ein Dach-ETF zu meinem Musterdepot hinzugefügt und beobachte nun wie sich das Produkt in verschiedenen Börsenszenarien (beispielsweise rapide Kursverluste durch politische Entwicklungen) verhält.

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