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Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Aspekte

Nachdem es im zweiten Teil der Artikelreihe um die Definition des Anlageziels ging, wird es in diesem Artikel darum gehen, was eine Anlagestrategie ausmacht und welche Aspekte ich berücksichtigen muss, um richtige Anlagestrategie für mein Anlageziel zu finden.

Zur Erinnerung: Ich habe die Definition des Strategiebegriffs aus Wikipedia übernommen.
„Unter Strategie werden die geplanten Verhaltensweisen zur Erreichung ihrer Ziele verstanden.“

Also wie lege ich mein Geld in welche Geldanlage zu welchen Zeitpunkten an, um mein Ziel zu erreichen.

Die zentralen Punkte sind also die Art und Weise, wie ich mein Geld anlege, die Auswahl der entsprechenden Produkte, in die ich investiere und die Zeitpunkte, zu denen ich diese Produkte kaufe oder verkaufe.

Produktauswahl

Die Auswahl der Produkte hängt wiederum von verschiedenen Aspekten ab. Dazu gehören neben der zeitlichen Einordnung des Ziels auch das inhärente Risiko des Produkts.

Zeitliche Einordnung des Produkts

Einige Wertpapier-Typen eignen sich besser für langfristige Geldanlagen, anderen wiederum sind eher auf kurzfristige Zeiträume ausgelegt.
Anleihen sind beispielsweise typische Langläufer unter den Wertpapieren, da sie in der Regel eine Laufzeit zwischen 3 und 20 Jahren haben.
Im Gegensatz dazu stehen Bonus-Zertifikate, die meistens eine Laufzeit zwischen 1 und 2 Jahren haben. Bei den Produkten die keine feste Laufzeit haben, fällt die Eignung für kurze oder lange Laufzeiten etwas weicher aus. Natürlich kann man mit einem ETF auch kurzfristige Investments tätigen, aber da ETFs Indizes abbilden und diese sich meistens eher langfristig positiv entwickeln, neigt die Eignung eher zu langfristigen Investments. Ähnlich verhält es sich bei Aktien, wobei hier die Auswahl einzelner Aktien einen größeren Einfluss hat, da sich Aktien sehr stark in ihrer jeweiligen Volatilität unterscheiden.

Inhärentes Produkt-Risiko

Im Zusammenhang mit Geldanlage geht es bei der Erwähnung von Risiko meistens um das Risiko eines Geldverlustes.
Unabhängig vom individuellen Risiko eines Wertpapiers (Aktie A ist volatiler als Aktie B und daher riskanter) sind unterschiedliche Geldanlage-Produkte bereits aufgrund ihrer Strukturierung mehr oder weniger risikoreich.

Die Struktur einer Aktie hat beispielsweise kein hohes inhärentes Risiko. Ich bin durch die Produkt-Struktur nicht dazu gezwungen etwaige aktuelle Verluste zu realisieren und kann in der Theorie einfach abwarten bis die Kurse sich wieder erholen.
Anders ist das bei Produkten mit Laufzeitbegrenzung. Ein Zertifikat ist grundsätzlich riskanter als eine Aktie, da es eine festgelegte Laufzeit hat und mir daher am Ende dieser Laufzeit die Entscheidung abgenommen wird, ob ich meine möglichen Verluste realisieren möchte oder nicht.

Ein extrem hohes Produkt-Risiko haben beispielsweise Hebelprodukte, da über den Hebel nicht nur die möglichen Gewinne, sondern auch mögliche Verluste vervielfacht werden. Dazu kommt die Nachschusspflicht, die mich als Anleger dazu zwingt die Verluste komplett auszugleichen. Ich kann hier also mehr Geld verlieren als ich ursprünglich mal investiert habe.

Bei verwalteten Produkten, wie Fonds, entsteht ein zusätzliches Risiko dadurch, dass der Fondsmanager wissen muss was er tut. Wenn ein Fondsmanager bei der Zusammenstellung und Verwaltung eines Fonds völlig versagt und große Verluste einfährt, kann ich als Anleger relativ wenig dagegen tun.

Es spricht also Vieles dafür, den Aufbau und die Funktionsweise eines Produkts zu kennen, um über die darin liegenden Risikofaktoren Bescheid zu wissen.

Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen

Die Zeitpunkte zu denen ich meine Trades durchführe, werden ebenfalls von meiner Anlagestrategie bestimmt. Bei einer langfristigen Strategie kann ich schwache Marktphasen abwarten, um meine Wertpapiere zu möglichst günstigen Preisen zu erwerben. Bei kurzfristigen Strategien muss man in verschiedensten Marktphasen agieren und seine Produkte gegebenenfalls auch mal darauf ausrichten von fallenden Kursen zu profitieren.

Wenn ich mich möglichst wenig mit der aktuellen Marktlage beschäftigen möchte, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit einen Wertpapier-Sparplan anzulegen. Damit wird dann in regelmäßigen Abständen (häufig monatlich oder quartalsweise) unabhängig von der Marktlage immer wieder der gleiche Betrag investiert und damit Anteile an einem oder mehreren Wertpapieren erworben. Wenn die Kurse hoch sind, bekomme ich dann für das gleiche Geld weniger Anteile. Wenn die Kurse schlecht stehen dafür mehr. Die Annahme ist, dass sich das über einen langfristigen Zeitraum ausgleicht.

Art und Weise: aktive und passive Anlagestrategien

Neben der Auswahl der Produkte und dem Zeitpunkt von Investments wird in der Vorgehensweise auch noch unterschieden zwischen passiven und aktiven Anlagestrategien.

Aktive Strategien zur Geldanlage zeichnen sich durch gezielte Auswahl von Einzelwerten (sogenanntes Stock-Picking) aus und ein starkes Bestreben eine höhere Rendite zu erzielen als ein Vergleichsindex. Diese höhere Rendite soll dadurch erzielt werden, dass zum jeweils optimalen Zeitpunkt gekauft (wenn die Kurse niedrig sind) und verkauft (wenn die Kurse hoch sind) wird.
Aktive Strategien erfordern eine starke und dauerhafte Auseinandersetzung mit dem Geschehen am Markt und der Analyse möglicher Investments. Auf der anderen Seite können sich aktive Strategien eher zur Erreichung kurzfristiger Investment-Ziele eignen, wenn es erforderlich ist, eine höhere Rendite als die Marktübliche zu erzielen.

Ein gutes Beispiel für eine aktive Anlagestrategie ist Daytrading. Dabei werden die Wertpapiere am gleichen Tag gekauft und auch wieder verkauft. Es wird versucht über die Preis-Differenz eine Rendite zu erzielen. Dabei kann es egal sein, ob der Kurs eines Wertpapiers steigt oder fällt. Hauptsache es findet Bewegung in eine Richtung statt. Daytrader können mit den passenden Wertpapier-Typen auch von fallenden Kursen profitieren. Dabei wird vermehrt auf Aktien und Hebelprodukte gesetzt, um den möglichen Gewinn zu maximieren.

Im Gegensatz dazu versuchen passive Anlagestrategien die Entwicklung eines Vergleichsindex möglichst kostengünstig abzubilden und somit von der allgemeinen Marktentwicklung zu profitieren. Dabei wird auf Stock-Picking und Ein-/Aussteigen zu bestimmten Zeitpunkten verzichtet.
Aus diesem Grund erfordern passive Strategien wesentlich weniger Zeitaufwand als aktive Strategien. Durch die Abbildung von Indizes und der damit einhergehenden Diversifikation sind passive Strategien oft auch Risiko-ärmer. Sie eignen sich eher für die Erreichung langfristig gesetzter Ziele, da sie auf regelmäßige Investments und die generelle langfristig positive Entwicklung der Märkte setzen.

Ein Beispiel hierfür ist eine passive ETF-Strategie. Dabei wird ein Portfolio aus ETFs (Exchange Traded Funds) aufgebaut und in regelmäßigen Zeitabständen (z.B. monatlich, quartalsweise, jährlich) werden neue Anteile erworben. Die restliche Zeit kümmert man sich nicht weiter darum. Dabei hat man sehr geringe laufende Kosten, da ETFs kaum Verwaltungsgebühren haben und bei längeren Zeitabständen zwischen neuen Investments auch nur geringe (oder je nach Depot gar keine) Ordergebühren anfallen.

Einen ausführlicheren Artikel über aktive und passive Anlagestrategien habe ich hier gefunden.

Zusammenfassung

Es ist sehr wichtig, die Details und Funktionsweisen verschiedener Wertpapier-Typen zu kennen, um die Passendsten für die eigene Anlagestrategie einsetzen zu können. Dazu zählen mögliche Laufzeit-Einschränkungen, Wissen über die möglichen Risiken eines Wertpapier-Typs und die aktuellen Rendite-Chancen.
Ebenso wichtig ist es, ob ich eine aktive oder eine passive Strategie verfolgen möchte. Wenn ich mich mit dem Geschehen an den Märkten nicht auseinandersetzen möchte, eignet sich eher eine passive Strategie für mich. Gleichzeitig muss ich mich dann aber mit der Frage auseinandersetzen, ob ich damit kurzfristige Ziele erreichen kann oder nicht.

Im nächsten Teil meiner Artikelreihe zur Anlagestrategie wird es darum gehen, wie man nun mit den bisher erhaltenen Informationen seine eigene Anlagestrategie zusammensetzen kann.

Weitere Artikel der Reihe

Teil 1: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Definition
Teil 2: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Zielsetzung

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