Anlagestrategie_Teil4

Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Produkte finden

Nachdem ich in den bisherigen Artikeln meiner Reihe zur Anlagestrategie darauf eingegangen bin wozu eine Anlagestrategie überhaupt gut ist (Teil 1), wie man ein entsprechendes Anlageziel definiert (Teil 2) und welche Aspekte eine Anlagestrategie ausmachen (Teil 3), schreibe ich in Teil 4 darüber, wie man passende Produkte für seine Anlagestrategie findet und auswählt.

Ziel definieren

Wie wir bereits wissen, ist ein gut definiertes Ziel die Grundlage jeder Anlagestrategie. In Teil 2 der Artikelreihe habe ich für meine Zieldefinition auf die S.M.A.R.T-Methode zurückgegriffen, um mein Ziel anhand dieser Parameter zu formulieren.

Mein formuliertes Ziel sieht so aus: „An meinem 67. Geburtstag möchte ich einen Betrag von 500.000 Euro angespart haben, um meinen Lebensabend genießen zu können.“

Aktiv oder Passiv

Nachdem ich mein Ziel formuliert habe, bestimme ich die Art und Weise in der ich es erreichen möchte. Da es sich um ein langfristig gestecktes Ziel handelt, entscheide ich mich für eine passive Anlagestrategie. Ich möchte regelmäßig in mein Portfolio investieren, ohne mich dauerhaft mit dem Geschehen an der Börse auseinanderzusetzen. Ein Wertpapier-Sparplan bietet sich daher an.

Daraus ergibt sich die Frage, welchen Betrag ich regelmäßig investieren muss, um nach dem angesetzten Zeitraum auf meinen Zielbetrag zu kommen. Eine einfache Möglichkeit diese Frage zu beantworten ist der Sparplanrechner der ING-DiBa.
Dort kann man neben Zielbetrag und Laufzeit auch eine angenommene Sparrate angeben. Bei einer angenommenen Rendite von 8% müsste ich daher monatlich ca. 220 Euro investieren, um nach 35 Jahren auf meine 500.000€ zu kommen.

Daraus folgt, dass ich bei meiner Produktauswahl darauf achten muss, dass eine jährliche Rendite von 8% überhaupt möglich ist.

Zusätzlich halte ich eine kleine Reserve auf dem Verrechnungskonto zurück, um in besonders günstigen Marktsituationen zusätzliche Investitionen tätigen zu können.

Die passenden Produkte bestimmen

Aufgrund meines langfristigen Ziels und meinem Wunsch eine passive Anlagestrategie zu verfolgen, kann ich einige Wertpapier-Typen direkt ausschließen. Zertifikate passen aufgrund meiner gesetzten Kriterien aufgrund der eher kurzen Laufzeiten und der damit notwendigen Auseinandersetzung mit der Marktlage nicht in mein Beuteschema. Ebenso schließe ich Aktienfonds und ETF-Dachfonds aus, da diese gerade bei langen Laufzeiten selten besser abschneiden als ETFs, dafür aber aufgrund der laufenden Kosten eine wesentlich geringere Rendite unterm Strich abwerfen. Auf einzelne Aktien verzichte ich auch, da mit ETFs eine gute Diversifikation wesentlich einfacher aufzubauen ist als mit Einzel-Aktien.

Bei passiven langfristigen Investments kommt man meiner Meinung nach aktuell nicht um ETFs herum. Da ich die Rendite maximieren will, setze ich auf thesaurierende ETFs. Diese reinvestieren erwirtschaftete Gewinne direkt in neue Anteile des zugrunde liegenden Index. So mache ich mir den Zinseszins-Effekt zunutze und bekomme mit den Jahren eine immer höhere Rendite, da meine Anlagesumme stetig wächst.
Allerdings halte ich mich erstmal von ETFs fern, die auf Branchen-Indizes basieren, da eine gute Diversifikation auf Unabhängigkeit der einzelnen Investments basiert. Ein ETF der also beispielsweise auf dem STXE 600 AUTOMOBILES & PARTS basiert, kommt für mich nicht in Frage, da dort nur Autohersteller und Zulieferer gelistet sind.

Eine weitere Möglichkeit wären Anleihen. Bei der großen Auswahl an verfügbaren Anleihen stelle ich jedoch einige Zusatzbedingungen an ein mögliches Anleihen-Investment. Zunächst ist es mir wichtig, dass der Emittent der Anleihe eine gewisse Vertrauenswürdigkeit bzw. Stabilität hat. Daher beschränke ich mich zunächst auf Bundesanleihen. Dann lege ich Wert darauf, dass ich die Anleihe nicht über dem garantierten Rückzahlungswert (über pari) erwerben muss, da ich die Differenz zwischen Kaufpreis und Rückzahlungswert nach Ablauf der Anleihe nicht wiedersehe. Als drittes Kriterium setze ich die Höhe des Zinskupons an. Dieses sollte so hoch liegen, dass alternative Investments (beispielsweise ein Dividenden-ETF auf den DivDax) nicht bedeutend mehr Rendite bringen.
Anleihen haben den Vorteil, dass sie ein relativ sicherer Wertpapier-Typ sind. Rückzahlungswert und Zinskupon sind (von einer möglichen Pleite des Emittenten mal abgesehen) garantiert. Ein kleiner Nachteil ist, dass Anleihen in ihrer regulären Ausprägung nicht thesaurierend sind und dadurch kein Zinseszins-Effekt zum Tragen kommt. Um das Gesamtrisiko meiner Strategie zu senken, würde ich aber einen bestimmten Prozentsatz in Anleihen anlegen. Vorausgesetzt ich finde welche, die meine Bedingungen erfüllen.

Häufig wird bei Portfolio-Vorschlägen für langfristige Anlagehorizonte auch auf Rohstoffe bzw. ETCs (Exchange Traded Commodities) gesetzt. Da ich mich damit aber noch nicht auseinandergesetzt habe und mir damit die Kenntnisse über Abläufe und weitere Details des Rohstoffhandels fehlen, sehe ich erstmal davon ab, in diese Richtung zu investieren.
Es gilt: wenn ich über eine Anlageform nicht Bescheid weiß oder sie nicht verstehe, darf ich darin nicht investieren.

Eine weitere mögliche Option könnten Anleihen-ETFs sein, also ETFs die wiederum in Anleihen investieren. Allerdings verhält es sich hier genau so, wie bei ETCs. Von Anleihen-ETFs habe ich nämlich ebenso wenig Ahnung. Nun habe ich natürlich auch hier die Option mich vorher schlau zu machen. Allerdings bringen langlaufende Wertpapier-Typen es leider auch mit sich, dass eine Probephase im Musterdepot nur wenige kurzfristige Erkenntnisse mit sich bringt. Das schließt nicht aus, dass ich Anleihen-ETFs in Zukunft mal einsetzen kann, aber für meine aktuelle Anlagestrategie stellen sie mangels meines Wissens leider keine passende Option dar.

Konkrete Produktauswahl

Nachdem ich nun verschiedene mögliche Optionen geprüft habe, entscheide ich mich dafür meine Anlagestrategie auf ETFs und Anleihen aufzubauen. Die nächste Hürde, die es anzugehen gilt, ist dann die Auswahl konkreter Produkte. Sowohl bei ETFs als auch bei Anleihen gibt es eine Unmenge an möglichen Produkten in die ich mein Geld investieren könnte.
Daher macht es Sinn die Auswahl nochmal über einige Rahmenparameter einzuschränken.

Produktauswahl: ETF

Die bereits von mir genannten Parameter für ETFs beinhalten:

  • thesaurierende ETFs
  • keine ETFs, die auf Branchen-Indizes basieren
  • möglichst gute Diversifikation

Bei der Suche nach passenden ETFs für das eigene Portfolio ist es sinnvoll sich mit verschiedenen Indizes auseinanderzusetzen. Eine Übersicht über verschiedene Indizes findet man auf vielen Finanzseiten (unter anderem bei Finanztreff). Leider wird aus der Benennung der Indizes nicht immer klar, was da genau indiziert wird. Mit Wikipedia habe ich zumindest ein Hilfsmittel an der Hand mit dem man die Beschreibung einiger Indizes finden kann. Allerdings wird diese Seite nicht so häufig aktualisiert, so dass die vorhandenen Informationen vermutlich leider nicht immer aktuell sind.
Was ich bisher gar nicht wusste ist, dass Indizes eigene WKN-/ISIN-Nummern haben und so auch ohne die teilweise sehr komplizierten Namen einfach gefunden werden können.

Auch mit den genannten Einschränkungen für ETFs ist die Auswahl der zur Verfügung stehenden Indizes riesig. Daher ist es sinnvoll zunächst die Region einzuschränken aus der Indizes betrachtet werden. Dies kann von weltweiten Indizes (z.B. MSCI World), über kontinentale Indizes (z.B. EuroStoxx 50) zu landesspezifischen Indizes (z.B. DAX) gehen. Dabei ist zu beachten, dass es bei den Indizes zu Überschneidungen der Einzelwerte kommen kann. Das ist nicht dramatisch, so lange diese Überschneidungen nicht zu groß werden und damit einer gesunden Diversifikation im Wege stehen.
Für meine weiteren Betrachtungen werde ich mich auf landesspezifische Indizes beschränken.

Um eine möglichst gute Diversifikation zu erreichen eignen sich Branchen-übergreifende Indizes, wie der DAX oder der Dow Jones besonders gut. Da ich bei meinen Investments zunächst auf ein Währungsrisiko verzichten möchte, konzentriere ich meine Index-Recherche auf den Euro-Währungsraum und schaue erstmal welche Indizes Deutschland zusätzlich zum DAX noch zu bieten hat.
Zuerst fallen mir da der MDAX, SDAX und TecDAX ins Auge. MDAX und SDAX indizieren sogenannte Nebenwerte, also Unternehmen mit mittelgroßem oder kleinem Börsenwert. Der TecDAX listet die 30 größten Technologieunternehmen in Deutschland außerhalb des DAX auf.

Um die vergangene Entwicklung der Indizes einzusehen, mache ich einen Chartvergleich auf verschiedene Laufzeiten. Einen solchen Chartvergleich kann man bei vielen Webseiten mit Finanzinformationen machen. Ich verwende in der Regel die Seite Finanztreff, es gibt aber noch etliche andere.

Chartvergleich DAX MDAX TecDAX SDAX

Der Vergleich zeigt: bei einem kurzen Rückblick von einem Jahr unterscheidet sich die Performance der Indizes nur geringfügig. Die Varianz liegt ungefähr bei 15%. Bei einem Rückblick von drei Jahren sieht das schon deutlicher aus. In den vergangenen drei Jahren hat sich der MDAX ca. 15% besser entwickelt als der DAX, der SDAX sogar ca. 30% und der TecDAX sogar knapp 40%.
Da ich mein Geld langfristig anlegen möchte, schaue ich mir die vergangene Entwicklung über 10 Jahre an und dort liegen sowohl der MDAX als auch der TecDAX in ihrer Entwicklung knapp 90% über dem DAX. Der SDAX hat sich in dieser Zeitspanne hingegen nur etwa 20% besser als der DAX entwickelt.

Es gibt natürlich keine Garantie, dass die Entwicklung auch so weitergeht. Aber meine Hoffnung ist, dass sich die Nebenwert-Indizes weiterhin besser entwickeln als der DAX. Daher suche ich mir nun für den TecDAX und den MDAX passende ETFs aus. Die für mein Ziel notwendige jährliche Steigerung von 8% sollte damit möglich sein.

Für welche konkreten ETFs ich mich dann entscheide, mache ich hauptsächlich an der sogenannten Total Expense Ratio (TER) fest. Mit der TER werden die Gesamtverwaltungskosten eines ETF ausgedrückt. Diese bewegen sich meistens zwischen 0% und 1%.
Bei allen ETFs, die auf dem gleichen Index basieren ist die Wertentwicklung zwar nicht komplett deckungsgleich, aber sehr nah beieinander. Unterschiede können dabei durch verschiedene Replikationsarten (z.B. vollständig oder synthetisch) entstehen.
Für meine Entscheidung kann es eher ausschlaggebend sein, ob ein ETF eines bestimmten Emittenten bei meinem Depot ohne Gebühren gehandelt werden kann und natürlich, dass die ausgewählten ETF bei meinem Depot Sparplan-fähig sind.

Leider gibt es nicht zu jedem europäischen Index auch entsprechende ETFs. Das liegt vermutlich daran, dass sich ETFs mit Indizes aus kleinen Ländern für die Emittenten nicht lohnen. Schade ist es dennoch, da sich dort einige Indizes in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt haben und für Investments in meinen Rahmenparametern sehr interessant wären. Eine Alternative zu ETFs können hier Index-Zertifikate sein. Diese bilden ebenfalls einen Index ab, haben aber eine andere Produkt- und Kostenstruktur.

Produktauswahl: Anleihe

Bei Anleihen habe ich folgende Einschränkungen getroffen:

  • Stabilität des Emittenten
  • Kaufpreis der Anleihe unter oder gleich dem garantierten Rückzahlungswert
  • Höhe des Zinskupons über 5%
  • Übrige Laufzeit von mindestens 5 Jahren

Die Suche nach Anleihen, die meinen Kriterien entsprechen, gestaltet sich einfach. Bei den üblichen Finanzseiten kann ich meine Suchkriterien in eine Maske eingeben und die Ergebnisse prüfen.
Leider ist die Situation bei Anleihen aktuell eher mäßig, so dass ich keine Anleihe finde, die alle meiner Kriterien erfüllt. Bei Bundesanleihen gibt es unter Berücksichtigung meiner Einschränkungen keine Ergebnisse. Wenn ich den Rückzahlungswert (pari oder unter pari) bei meinen Suchparametern weglasse, erhalte ich zwar einige Treffer, aber diese sind teilweise 80-90% über dem Auszahlungswert. Das würde bedeuten, ich bekäme nach Ablauf der Anleihe nur etwa die Hälfte meiner Investition (plus Zinskupon) zurück. Kein gutes Geschäft!

Bei anderen Anleihe-Typen gibt es zwar einige Treffer, aber leider keine, die meiner Ansicht nach meine Anforderung nach Stabilität des Emittenten erfüllen. Da ich nicht bereit bin dieses Kriterium außen vor zu lassen, verzichte ich erstmal auf ein Investment in Anleihen. Das bedeutet nicht, dass Anleihen für meine geplante Anlagestrategie komplett wegfallen. Sie sind nur für aktuelle Investitionen uninteressant. Sollte sich diese Situation mal ändern, können Anleihen durchaus Bestandteil meines Portfolios im Rahmen meiner Anlagestrategie werden.

Fazit Produktfindung

Beim Finden der passenden Produkte für die eigene Anlagestrategie ist es sehr wichtig erstmal die riesige Auswahl an Möglichkeiten anhand einiger Kriterien einzuschränken. Diese Kriterien ergeben sich aus dem Anlageziel, der Art und Weise der Anlage und den Zeitpunkten zu denen ich mein Geld anlegen will.
Unersetzlich sind dabei Kenntnisse über die Funktionsweisen und den Aufbau verschiedener Wertpapier-Typen. Schließlich kann ich nur bestimmen, ob ein Wertpapier-Typ in meine Kriterien passt oder nicht, wenn ich ausreichend darüber Bescheid weiß.

Weitere Artikel der Reihe

Teil 1: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Definition
Teil 2: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Zielsetzung
Teil 3: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Aspekte

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