Anlagestrategie_Teil2_Blog

Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Zielsetzung

Im zweiten Teil meiner Artikelreihe zur Anlagestrategie geht es um das Thema Zielsetzung. Als Basis jeglicher Strategie kommt der Zielsetzung bei der Definition einer eigenen Anlagestrategie besondere Bedeutung zu. Daher beschreibe ich in diesem Artikel die Grundlagen der Zielsetzung und Ansätze zur verfeinerten Formulierung.

Einführung in Zielsetzung

Zur Erinnerung nochmal die Begriffsklärung von Strategie:
„Unter Strategie werden die geplanten Verhaltensweisen zur Erreichung ihrer Ziele verstanden.“

Da die Begriffsklärung beim Strategiebegriff gut funktioniert hat, kläre ich zunächst wie ein Ziel definiert ist. Laut Wikipedia:
„Ein Ziel ist ein in der Zukunft liegender, gegenüber dem Gegenwärtigen im Allgemeinen veränderter, erstrebenswerter und angestrebter Zustand (Zielvorgabe).“

Folgende Aspekte sind also bei der Zieldefinition wichtig:

* Beschreibung des Zielzustands
* Zeitliche Einordnung des Ziels

Mein Anlageziel beschreibt also den zukünftigen (monetären) Zustand zum Ende meiner Investments.
Um mein Ziel zu definieren muss ich daher folgende Fragen beantworten:

Wie sieht mein Zielzustand genau aus?

Um den Zustand bei Erreichung meines Ziels zu beschreiben habe ich natürlich viele Möglichkeiten. Da es sich hierbei um ein Anlageziel handelt, ergibt es aber Sinn, sich auf die Definition der dann herrschenden finanziellen Situation zu beschränken. Das kann beispielsweise die Menge an Geld sein, die einem dann frei zur Verfügung steht oder auch einen Geldbetrag, den man sich quasi monatlich selber auszahlt, um die gesetzliche Rente aufzubessern.

Bis wann will ich den beschriebenen Zustand erreicht haben?

Die zeitliche Einordnung des Ziels ist neben der Beschreibung des Zielzustands die andere zentrale Komponente einer Zieldefinition. Liegt mein Ziel in einer unmittelbaren Zukunft? Beispielsweise innerhalb der nächsten drei Jahre. Oder ist es ein sehr langfristiges Ziel, dass in einer weniger gut einschätzbaren Zukunft liegt.

Hilfe zur Formulieren eines konkreten Ziels

Für die konkrete Formulierung von Zielen bin ich ein Freund der S.M.A.R.T-Definition.
S.M.A.R.T steht dabei für mich (es gibt verschiedene Auslegungen der Abkürzungen) für: Spezifisch, Messbar, Ausführbar, Realistisch und Terminiert (Zeitgebunden).

Ein Ziel könnte für mich zum Beispiel sein, für meinen Ruhestand vorzusorgen. Das ist eine gute Idee, aber sehr vage beschrieben.
Mit S.M.A.R.T würde mein Ziel dann so formuliert werden: „An meinem 67. Geburtstag möchte ich einen Betrag von 500.000 Euro angespart haben, um meinen Lebensabend genießen zu können.“ Klingt schon um Einiges konkreter, oder? Mal angenommen, ich würde danach noch zwanzig Jahre leben, stünden mir dann 25.000 Euro im Jahr zusätzlich zur gesetzlichen Rente zur Verfügung, wenn ich das Geld nicht weiter anlege.

Kein Teil der S.M.A.R.T-Definition, aber dennoch ein wichtiger Bestandteil eines Anlageziels ist der angestrebte Verwendungszweck. Also zu formulieren wozu ich das Geld konkret anlege. Das kann wie in meinem Beispiel der Zuschuss zur gesetzlichen Rente sein. Aber natürlich kann es sich bei kurzfristigen Zielen auch um die Finanzierung einer Reise handeln oder um einen neuen Computer. Wichtig ist, dass man sich vorher Gedanken darüber macht und nicht nur zum Selbstzweck Geld investiert.
Die Idee dahinter ist, dass ich gerade bei langfristigen Anlagezielen nach einer Weile anfangen könnte diese in Frage zu stellen. Gerade wenn die Kursentwicklung an den Börsen mal nicht zufriedenstellend läuft, kann einem schon mal der Gedanke kommen, wofür man das ganze Geld eigentlich investiert. Wenn ich dann neben dem reinen Zielbetrag auch einen geplanten Verwendungszweck vor Augen habe, fällt es mir leichter das Ganze fortzuführen anstatt mein Ziel nicht weiter zu verfolgen und das Geld für eine kurzfristige Vergnügung auszugeben.

Ziel mal 10

Um einen anderen Blickwinkel auf sein Ziel zu bekommen, kann es eine hilfreiche Übung sein, den angestrebten Geldbetrag zum Ende seines Anlageziels mal 10 zu nehmen. Nun versucht man sich zu überlegen, was man machen müsste, um den weitaus höheren Betrag am Ende der Anlagezeit zu erzielen. Durch die neue Perspektive kommt man vielleicht auf Ideen, die einem sonst verschlossen geblieben wären und kann dadurch sein Ziel noch besser definieren.

Bezogen auf mein oben definiertes Ziel hieße das: Was muss ich tun, um an meinem 67. Geburtstag über einen Betrag von 5 Millionen Euro zu verfügen. Wenn man vom gleichen Ausgangsbetrag ausgeht, unterscheiden sich die Anlagestrategien für die beiden Ziele gewaltig.
Grundsätzlich bieten sich hier erstmal zwei Optionen an: Entweder ich investiere in Produkte mit der zehnfachen Rendite der Produkte, die ich ursprünglich angestrebt habe oder ich erhöhe den Betrag, den ich investiere, um mit der bisher angepeilten Rendite zum Ziel zu kommen.
Bei der ersten Option habe ich natürlich ein extrem erhöhtes Risiko, da sich eine so dramatisch erhöhte Rendite vermutlich nur mit Hebelprodukten und entsprechend hohen Hebeln erreichen lässt.
Die zweite Option ist abhängig davon, wie viel zusätzliches Kapital ich für meine Investments aufbringen kann. Auch hier gibt es wiederum Varianten, die sehr risikoreich sind (beispielsweise die Aufnahme eines Kredits) und daher mit Vorsicht zu behandeln sind.

Es handelt sich dabei hauptsächlich um ein Gedankenexperiment, das einem neue Wege und Ideen eröffnen soll.

Zielüberprüfung

Nachdem ich mein Ziel definiert habe, muss ich die Erreichung in regelmäßigen Abständen überprüfen. Wie regelmäßig das ist, hängt natürlich hauptsächlich von der zeitlichen Einordnung meines Ziels ab. Die Zielerreichung eines Ziels, dass ich in einem Jahr erreicht haben will, sollte ich in kürzeren Zeitabständen prüfen als ein Ziel, dessen Erreichung erst in zehn Jahren liegt.

Damit ich die Zielprüfung nicht vergesse, trage ich mir die Termine in einen Kalender mit Erinnerungsfunktion ein. Gerade mit dem Smartphone oder mit einem Outlook-Kalender kann man sehr leicht einen Serientermin anlegen und in den entsprechenden Abständen setzen.

Bei der Zielerreichung prüfe ich, wie weit ich meinem Ziel entgegen gekommen bin. Das kann ich machen indem ich mein Ziel in Zwischenziele aufgeteilt habe, beispielsweise durch eine lineare Aufteilung von Zeit und Geldbetrag (10 Jahre und 10.000 Euro werden dann zu 1.000 Euro jährlich). Gegebenenfalls macht aber eine non-lineare Aufteilung mehr Sinn, da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass mir mit fortlaufender Zeit mehr Geld zur Verfügung steht. Sei es durch erfolgreiche Investments oder durch beruflichen Aufstieg. Bezogen auf mein vorheriges Beispiel könnte das bedeuten, dass ich in den ersten 4 Jahren in jedem Jahr nur 500 Euro Rendite erreichen muss und dafür in den letzten 4 Jahren jeweils 1.500 Euro, um auf meinen Zielbetrag zu kommen.

Zusammenfassung

Für die Definition einer Anlagestrategie benötige ich vorher ein Ziel, für dessen Erreichung ich eine Strategie definiere.
Mein Ziel beschreibe ich wiederum durch einen Zielzustand und einen Zeitpunkt zu dem ich den beschriebenen Zustand erreicht haben möchte. Um meine Zielbeschreibung möglichst konkret zu gestalten, kann ich auf die S.M.A.R.T-Definition zurückgreifen und mein Ziel anhand dieser modellieren. Wenn ich mein Ziel definiert habe, sollte ich abhängig vom Zeitpunkt meines Ziels regelmäßige Termine zur Überprüfung meiner Zielerreichung einplanen und durchführen.

Nachdem ich nun mein Anlageziel definiert habe, gehe ich im folgenden Artikel auf die Aspekte einer Anlagestrategie ein und wie ich die richtige Anlagestrategie für mich finde.

Weitere Artikel der Reihe

Teil 1: Der Weg zur eigenen Anlagestrategie – Definition

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