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Einführung in Wikifolio

Kürzlich wurde ich mal wieder an die Plattform Wikifolio erinnert. Ich hatte mal einen Vortrag auf der deutschen Anlegermesse in Frankfurt zu diesem Thema besucht und fand es damals ganz interessant, habe ich aber danach nicht weiter damit beschäftigt.
Da Wikifolio quasi die Social-Trading-Plattform ist, habe ich mich mal wieder damit auseinandergesetzt was bei Wikifolio genau passiert und wie man als Anleger davon profitieren kann. Im Folgenden teile ich mit Euch, was ich über Wikifolio gelernt habe.

Was ist Wikifolio?

Wikifolio ist eine Social-Trading-Plattform, bei der Trader ihre Portfolios vorstellen, die dann wiederum andere Nutzer verfolgen können. Diese Portfolios werden Wikifolios genannt. Es gibt auch Dach-Wikifolios, die sich dann wiederum in mehrere einzelne Wikifolios investieren und somit eine große Diversifikation erreichen.

Wenn genug Nutzer die Entwicklung eines Wikifolios verfolgen, hat der Trader die Möglichkeit sein Portfolio als endlos laufendes Index-Zertifikat vom Bankpartner Lang&Schwarz emittieren zu lassen. Dieses Zertifikat kann dann wiederum an der Börse Stuttgart erworben werden und bildet von nun an die Entwicklung des Portfolios ab. Alle Aktionen des Traders werden im Zertifikat 1:1 nachvollzogen.
Bei einem emittierten Zertifikat bekommt der Trader eine Erfolgsbeteiligung. Diese ist von der Wertentwicklung des Portfolios abhängig und von der Anzahl der Leute die das entsprechende Zertifikat erwerben.

Wikifolio legt dabei großen Wert auf Transparenz. Ein zentraler Punkt dabei ist, dass die Identität eines Traders nachweislich bestätigt und die Handelsidee von Wikifolio geprüft wurde. Zusätzlich gibt es ein spezielles Merkmal das anzeigt, dass Trader in dem von Ihnen vorgeschlagenen Portfolio selbst investiert sind. Dieses Merkmal wird regelmäßig geprüft und muss daher vom Trader einmal im Quartal nachgewiesen werden. Es ist optional, aber man kann Wikifolios spezifisch danach suchen. Dadurch soll vermieden werden, dass die Anleger um Ihr Geld betrogen werden und in zwielichtige Investments investiert wird. Unter den Tradern befinden sich dabei neben Privatpersonen auch professionelle Trader und Anlageberater sowie Unternehmen. Dabei sind jedoch alle den gleichen Regeln unterworfen und müssen für die gleiche Transparenz sorgen.

Ein Wikifolio besteht aus Informationen zur Anlage-Idee und der dahinter liegenden Anlagestrategie, sowie Informationen zum eigentlichen Portfolio, zu den Trades und natürlich zur Wertentwicklung. Zusätzlich gibt es Börsen-News zu den Werten im Portfolio sowie Kommentare des Traders zum aktuellen Stand seiner Anlagen. Die Börseninformationen zu den Werten werden von der OnVista-Bank zur Verfügung gestellt.

Die Wikifolio-Plattform wird von der wikifolio Financial Technologies AG aus Österreich betrieben. Als Bankpartner tritt die Lang&Schwarz AG aus Deutschland auf.

Wie ist mein Vorteil als Anleger?

Das spannende an Wikifolios ist, dass ich damit Anlagestrategien verfolgen kann, die für mich sonst nicht umzusetzen sind. Beispielsweise kann ich in ein auf Day-Trading ausgelegtes Wikifolio investieren und somit an der täglichen Arbeit eines Traders partizipieren, was mir mangels Kenntnissen und Zeit sonst nicht möglich wäre. Ebenso kann ich meine bestehende Anlagestrategie durch ein komplettes Portfolio mit einer ähnlichen Strategie ergänzen ohne alle Werte selber recherchieren zu müssen.

Ein Vorteil dabei ist auch, dass es sich bei Wikifolio nicht um ein Copy-Trade-Verfahren handelt, das die Aktionen des Traders mit zeitlichem Verzug nachvollzieht, sondern alle Aktionen direkt im Zertifikat mit durchgeführt werden. Das ist vorteilhaft, da mit dem zeitlichen Verzug die Aktionen häufig zu geringfügig anderen Konditionen durchgeführt werden. Gerade im Day-Trading kann dies zu Unterschieden in der Gewinnspanne führen.

Wie investiere ich in Wikifolios?

Um in ein Wikifolio zu investieren benötigt man kein Wikifolio-Benutzerkonto. Bei Wikifolios die bereits erworben werden können ist die ISIN frei einsehbar. Mit dieser kann man bei seinem Depotbetreiber nach dem entsprechenden Zertifikat suchen und dieses erwerben. Da gibt es keinen Unterschied zu jedem anderen Investment auch.

Die sehr umfangreich einstellbare Suchfunktion steht auch unregistrierten Nutzern zur Verfügung. Man kann dort neben konkreten Wertpapier-Typen und Ländern in denen investiert wird auch nach Performance-Kriterien suchen. Schlussendlich gibt es auch Wikifolio-spezifische Kriterien, wie beispielsweise ob der Trader auch selbst investiert ist oder ob nur einzelne Wikifolio-Typen berücksichtigt werden sollen.

Es ist auch möglich Wikifolios über einen Wertpapier-Sparplan zu besparen. Diese Möglichkeit gibt es aber scheinbar nur für Leute, die ein Depot bei S-Broker (Sparkasse) haben. Bei meinen Depots, die nicht bei der Sparkasse sind, gibt es keine Wikifolios zur Auswahl.

Ein Benutzerkonto bei Wikifolio wird erst dann interessant, wenn ich für Wikifolios abstimmen möchte, in die noch nicht investiert werden kann.
Zusätzlich kann man als registrierter Benutzer eine Watchlist führen und wird automatisiert über die Entwicklung seiner Wikifolios sowie die Aktivitäten innerhalb dieser informiert.

Welche Kosten entstehen bei Wikifolio?

Die Nutzung der Wikifolio-Plattform an sich ist kostenlos. Man muss ein Benutzerkonto anlegen, kann aber danach alle Funktionen der Plattform nutzen. Wenn man in eines der Wikifolio-Zertifikate investiert fallen die regulären Ordergebühren des Depotbetreibers an.

Wikifolio selbst erhebt nur Gebühren, wenn man in eines der Wikifolio-Zertifikate investiert.

Es gibt eine Zertifikatsgebühr in Höhe von 0,95 Prozent pro Jahr, die tagesaktuell anteilig am Portfolio-Wert berechnet wird. Diese Gebühr fällt an sobald man ein Wikifolio-Zertifikat erwirbt.

Zusätzlich erhebt Wikifolio eine Performancegebühr, von der im Erfolgsfall ein Teil an den Trader gezahlt wird. Den Rest behält der Wikifolio-Betreiber. Diese Gebühr wird nur erhoben, wenn das Wikifolio einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Dann wird ein prozentualer Anteil der Differenz zwischen altem und neuem Jahreshöchststand als Performancegebühr angesetzt. Wie hoch dieser prozentuale Anteil ist, lässt sich in jedem Wikifolio nachschauen. Dieser neue Jahreshöchststand wird nun als neue Marke gesetzt. Eine weitere Performancegebühr wird daher nur bezahlt wenn diese Grenze geknackt wird. Wenn ein neuer Höchststand erreicht wird, sinkt der Zertifikatskurs daher durch den Abzug der Performancegebühr etwas ab.

Als Anleger muss man sich damit nach Kauf eines Zertifikats nicht mehr aktiv mit den Gebühren beschäftigen, da diese automatisch in den Zertifikats-Kurs eingepreist werden.

Welche Risiken bestehen?

Soweit ich das aktuell einschätzen kann bestehen bei der Investition in Wikifolios keine zusätzlichen Risiken zu denen, die bei jedem anderen Investment auftreten. Es besteht natürlich das Risiko etwas von seinem eingesetzten Geld oder sogar das gesamte Investment zu verlieren. Enorm wichtig ist dabei, dass es bei Wikifolios keine sogenannte Nachschusspflicht gibt.

Eine Nachschusspflicht gibt es häufig im Zusammenspiel mit Hebelprodukten. Diese verpflichtet den Anleger bei Kursverlusten, die über den Nullpunkt hinaus gehen, die entstandenen Verluste mit neuem Kapital auszugleichen. Angenommen man investiert 100 Euro in ein Produkt mit einem zweifachen Hebel. Dann bewegt man damit 200 Euro. Angenommen man hat einen Kursverlust von 100 Euro, dann beträgt der reale Verlust mit dem Hebel 200 Euro. Damit wäre man bei -100 Euro und diese müssen durch die Nachschusspflicht ausgeglichen werden.

Bei Wikifolio besteht also wie bei den meisten anderen Investments das Risiko, dass man 100 Prozent seines angelegten Kapitals verliert, aber eben auch nicht mehr. Da Wikifolios auch in Hebelprodukte investieren können, wird das dadurch entstehende Risiko von der emittierenden Bank Lang & Schwarz übernommen und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben durch andere Investments abgesichert.

Je nachdem in welche Werte das jeweilige Wikifolio investiert, besteht auch ein Währungsrisiko. Schwankungen bei den Wechselkursen zwischen Währungen haben also Auswirkungen auf die Gewinne und Verluste des Zertifikats.

Das Risiko eines Anlagebetrugs besteht natürlich auch hier trotz der Maßnahmen die Wikifolio dagegen unternimmt. Daher zählt natürlich auch hier der Grundsatz, dass man nicht in etwas investieren sollte, dass man nicht vollständig durchblickt. Es lohnt sich also die Wertpapiere innerhalb eines interessanten Wikifolios mal genauer zu prüfen. Da aber grundsätzlich eine hohe Transparenz herrscht, kann man Wikifolios die einem suspekt erscheinen natürlich bei Suchen herausfiltern.

Welche Alternativen zu Wikifolio gibt es?

Es gibt wohl einige Alternativen zu Wikifolio, die aber nicht vollständig vergleichbar sind. Eine der bekannteren Plattform ist Ayondo. Dort wird ebenfalls ein Social-Trading-Ansatz verfolgt. Im Gegensatz zu Wikifolio wird dort aber nur mit sogenannten CFDs (auch Differenzkontrakt) gehandelt. Da es sich dabei meist um Hebelprodukte handelt, ist die Plattform eher für erfahrene Trader geeignet als für unbedarfte Privatanleger.

Ganz wichtig: Anders als Wikifolio verzichtet Ayondo nicht auf die Nachschusspflicht. Verluste über den Nullpunkt hinaus müssen also vom Anleger ausgeglichen werden. Dazu wird bei Ayondo auch das oben bereits beschriebene Copy-Trade-Verfahren verwendet, so dass jede Aktion zeitverzögert nachvollzogen wird.
Für mich wäre Ayondo daher keine Alternative, da ich generell Hebelprodukten gegenüber abgeneigt bin. Aber ich wollte es zumindest mal erwähnt haben.

Fazit

Ich halte Wikifolio für ein sehr spannendes Konzept mit dem ich mich auf jeden Fall noch tiefgehender beschäftigen werde. Es kombiniert die Vorteile eines Anlageberaters mit einer erfolgsbasierten Kostenstruktur. Wie hoch der Einfluss der Performancegebühr auf die tatsächliche Rendite ist, muss ich natürlich zunächst noch selbst mal ausprobieren. Interessant finde ich aber, dass nur bei Höchstständen eine Gebühr fällig ist und nicht kontinuierlich.
Natürlich gäbe es auch die Möglichkeit mit den frei verfügbaren Informationen das Portfolio und die durchgeführten Aktionen zu kopieren und dadurch die Performance-Gebühr zu sparen. Das widerstrebt mir aber, da einerseits die Zeit dafür nicht investieren möchte und es andererseits meiner Moral widerspricht den Trader für seine Arbeit, die mir zugute kommt, nicht zu entlohnen. Ich werde daher in nächster Zeit mal in ein Wikifolio investieren und dann hier von meinen Erfahrungen berichten.

2 Gedanken zu „Einführung in Wikifolio

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