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Top 7 Tipps zur Depotwahl

Das Depot ist die absolute Grundlage eines jeden, der an der Börse mit Wertpapieren handelt. Ohne ein Depot geht da nichts. Daher ist es auch wichtig, dass man nicht irgendein Depot bei irgendeinem Anbieter hat, sondern bewusst das Richtige für sich auswählt. Natürlich kann man auch mehrere Depots anlegen, aber die Handhabung bei mehreren Depots ist natürlich komplexer und birgt einige Hürden.
In diesem Artikel liste ich daher meine Top-Tipps zur Auswahl des richtigen Depots für Euch auf. Hinweis: Wenn ich von Depots schreibe, dann meine ich damit Depots mit Online-Zugriff. Es mag sicherlich noch bei einigen Banken physische Depots geben, aber die klammere ich hier mal aus.

Tipp 1: Anlagestrategie festlegen

Bevor man sich einen Überblick über das Angebot an Depots verschafft, sollte zunächst die geplante Anlagestrategie klar sein. Warum? Na weil die Anlagestrategie einer der bestimmenden Faktoren für die Auswahl eines passenden Depots ist. Das Depot muss zur Anlagestrategie passen und nicht umgekehrt. Wenn man sich zuerst ein Depot zulegt und danach über eine Anlagestrategie nachdenkt, kann es sein, dass die geplante Strategie sich mit dem Depot gar nicht oder nur zu ungünstigen Konditionen umsetzen lässt. Im schlimmsten Fall bestimmen sogar die Depot-Konditionen Eure Anlagestrategie, weil Ihr unterbewusst Gebühren vermeiden wollt. Das darf natürlich nicht sein. Mein Tipp vor dem ersten Tipp lautet:

Vor der Depotwahl für eine Anlagestrategie entscheiden!

TIPP 2: Grundgebühren beachten

Ein zentraler Faktor bei der Entscheidung für ein Depot sind natürlich die damit in Verbindung stehende Gebührenstruktur. Damit sind neben etwaigen Grundgebühren hauptsächlich die individuellen Ordergebühren gemeint. Grundgebühren bei Depots gibt es heutzutage in der Regel größtenteils noch in Verbindung mit bestimmten Bedingungen, zum Beispiel einem Mindest-Ordervolumen pro Monat / Quartal / Halbjahr oder Jahr. Einige Depots sind aber auch komplett kostenlos was Grundgebühren angeht. Beispielsweise ist das Depot der Comdirect-Bank ab zwei Trades (Kauf oder Verkauf von Wertpapieren) im Quartal kostenlos oder auch, wenn man regelmäßig in einen Wertpapier-Sparplan einzahlt.
Die Grundgebühr ist in der Regel nicht hoch, aber da man ein Depot eher längerfristig hält, kann es sich mit der Zeit doch anhäufen. Daher mein Tipp:

Vor der Entscheidung für ein Depot unbedingt die möglichen Grundgebühren beachten!

TIPP 3: Ordergebühren verstehen

Neben den möglicherweise bestehenden Grundgebühren, sollte man vor allem die individuellen Ordergebühren des Depots verstehen. Dabei geht es nicht nur darum hohe Ordergebühren zu vermeiden, sondern auch zu prüfen, ob die Gebührenstruktur zur eigenen Anlagestrategie passt. Einige Depots haben unterschiedliche Gebühren für einzelne Aufträge und für wiederkehrende Aufträge (zum Beispiel Sparpläne). Wenn meine Anlagestrategie regelmäßiges Investment in einen Wertpapier-Sparplan vorsieht, sollte ich mich nach einem Depot umsehen, dass dort die besten Konditionen bietet. Wenn ich eher auf unregelmäßige Investments setze, dann passt ein Depot mit geringeren Ordergebühren besser, auch wenn dort die Auftragsgebühren für Sparpläne vielleicht nicht die Günstigsten sind. Da sich die Ordergebühren aufgrund des hohen Wettbewerbs zwischen den Depotanbietern ständig ändern können, kann es natürlich auch sein, dass sich die Eignung eines Depots für eine bestimmte Anlagestrategie auch mal wieder ändert oder dass sich das Depot eines anderen Anbieters noch besser eignet.

Die Ordergebühren des Depots müssen zur eigenen Anlagestrategie passen!

Hier noch der Hinweis: neben den Grund- und Ordergebühren sollte man sich auch einen Überblick über die restliche Gebührenstruktur des Depots machen. Gerade die Anbieter von sogenannten Flat-Fees, wie beispielsweise OnVista oder FlatEx müssen das Geld an anderer Stelle wieder reinholen, wenn sie günstige Ordergebühren anbieten. Im Fall von FlatEx werden dann unter anderem Provisionen auf Dividendenzahlungen aus dem Ausland erhoben. Das muss kein Hinderungsgrund sein dort ein Depot zu haben, kann aber Gift für Anlagestrategien sein, die auf ausländische Wertpapiere setzen.

TIPP 4: Börsenzugang

Ein weiterer Faktor für die Auswahl eines geeigneten Depots ist der Zugang zum börslichen und außer-börslichen Handel. Nicht alle Anbieter von Depots ermöglichen den Handel an den gleichen Börsen und den gleichen Partnern beim außer-börslichen Handel und bestimmen damit effektiv den Zugriff auf die Wertpapiere, die man mit diesen Depots halten darf und welche man gar nicht erst kaufen kann. Wenn ein Wertpapier nämlich an einer Börse gehandelt wird, die vom Depot-Anbieter nicht unterstützt wird, kann es dort nicht kaufen oder verkaufen. Ebenso verhält es sich beim außerbörslichen Handel. Wenn der Emittent eines entsprechenden Wertpapiers/Finanzprodukts nicht unterstützt wird, dann kann dieses Wertpapier mit dem Depot des Anbieters nicht gehandelt werden.
Es kommt daher darauf an, ob man bei seiner Anlagestrategie auf weltweite Investments setzt, dann muss ein Depot das auch ermöglichen. Wenn ich hingegen nur auf bestimmten Märkten handeln möchte, dann kann ich diesen Faktor vernachlässigen und mich auf andere Aspekte des Depots konzentrieren.

Das Depot muss Zugriff auf passende Märkte und Emittenten bieten, um die eigene Anlagestrategie zu ermöglichen!

TIPP 5: Aktionen

Ein ebenso interessanter Aspekt sind mögliche Aktionen der Depotbetreiber. Diese Aktionen können unterschiedlich ausfallen, haben aber in der Regel einen gebührenfreien Handel bestimmter Kombinationen von Wertpapier-Typen und Emittenten zum Inhalt. Zudem sind sie häufig an ein minimales Ordervolumen gekoppelt. Dennoch können sie sehr interessant sein, da die Aktionen häufig sehr lang läufig sind. Eine Aktionslaufzeit von einem halben Jahr oder mehr ist keine Seltenheit. Ob eine passende Aktion gerade läuft erfährt man auf entsprechenden Webseiten seines Depotbetreibers. Der Wegfall von möglichen Ordergebühren kann durchaus ein entscheidender Faktor bei Auswahl geeigneter Wertpapiere sein. Bei der Depotwahl sollte man also ruhig mal einen Blick auf die aktuellen Aktionen des Depotanbieters werfen. Wenn dort Aktionen dabei sein, die für die eigenen Anlagestrategie passen, ist das in jedem Fall ein Pluspunkt für ein mögliches Depot bei diesem Anbieter.
Wichtig dabei ist jedoch, sich nicht nur aufgrund von einer Aktion für ein Wertpapier zu entscheiden. Fehlende Ordergebühren können ein schlechtes Wertpapier nicht wieder wettmachen. Also erst nach möglichen Kandidaten für ein Investment schauen und danach auf mögliche Aktionen prüfen.

Aktuelle Aktionen prüfen und mit der eigenen Anlagestrategie abgleichen!

TIPP 6: Keine Angst vor Insolvenz des Depot-Anbieters

Vor einer möglichen Insolvenz des Depot-Anbieters muss man übrigens keine Angst haben. Wertpapiere liegen heutzutage nämlich nicht mehr im Depot beziehungsweise in der Datenbank des Depot-Betreibers, sondern werden an einer zentralen Stelle verwaltet, bei der sogenannten Zentralverwahrung.
In dieser Zentralverwahrung wird bei Kauf eines Wertpapiers der Käufer und die entsprechende Menge vermerkt. Es ändern sich also im Endeffekt nur Werte in einer Datenbank, die vom Depot-Anbieter völlig unabhängig ist. Daher muss man sich bei einer möglichen Insolvenz des Depot-Anbieters auch keine Sorgen um das eigene Portfolio machen, da diese Informationen sicher zentral gespeichert werden. Bei einem Depotwechsel wird dann auch nur vermerkt, dass die Wertpapiere nun in einem neuen Depot liegen, aber weiterhin der gleichen Person gehören.

Selbst bei einer Insolvenz des Depot-Anbieters ist Euer Depot sicher!

TIPP 7: Datenübertragung bei Depotwechsel

Wenn bei einem Wechsel von einem Depot zum Anderen nicht die Daten bezüglich Kaufzeitpunkten und gezahlten Renditen übermittelt werden, dann wird das neue Depot Steuer-technisch so betrachtet, als wäre der gesamte Depotwert Kapitalgewinn. Das bedeutet man bezahlt nicht nur auf die eigentlichen Renditen die Abgeltungssteuer, sondern auf den kompletten Depotbestand. Bei einer angenommenen Kapitalertragssteuer von circa 25 Prozent geht es dabei um ein Viertel des Depotwerts. Daher sollte man sich auf jeden Fall beim Betreiber des neuen Depots versichern, dass auch alle Kaufdaten übermittelt worden sind. Es gibt zwar bei einigen Depots (zum Beispiel bei der ING-DiBa) die Möglichkeit die Daten nachzutragen, wenn sie nicht vorhanden sind. Das hat aber für die Versteuerung keinerlei Auswirkungen und macht daher die fehlenden Daten bei der Übertragung auch nicht mehr wett. Bei einem Übertrag an eine andere Person ist die Steuerlage nochmal anders gelagert. Darauf will ich aber an dieser Stelle nicht tiefer eingehen. Bei Wikipedia  findet man mehr Informationen dazu.

Nach Übertrag des Depots prüfen, ob alle Daten zum Kaufzeitpunkt und Initialwert der Wertpapiere im Depot übermittelt wurden!

So, das waren meine sieben Top-Tipps zur Depotwahl. Ich hoffe sie helfen Euch weiter und inspirieren Euch über das eigene Depot nachzudenken.

2 Gedanken zu „Top 7 Tipps zur Depotwahl

  1. Katja sagt:

    Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen und hinweisen. Insbesondere wenn man gerade erst am Anfang ist und sich mit diesem Thema auseinander setzt, sollte man sich ausführlich informieren. Dieser Artikel wird einigen sicherlich eine große Hilfe sein.

    • Julian sagt:

      Vielen Dank für Deinen lobenden Kommentar. Ich hoffe auch, dass der Artikel für viele Leute hilfreich sein wird.

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